#IngeDeutschkron100: Konstanzer Straße 3, Berlin-Wilmersdorf. Ella und Inge Deutschkron zogen mit Hilfe des mit ihnen befreundeten Walter Rieck hierher, nachdem ihnen die Gestapo in Potsdam auf die Spur gekommen war. Sie nutzten hier die Wohnung eines Freundes von Walter Rieck.

„Ich trug den gelben Stern“, Kapitel „Menschliches, Allzumenschliches“, Textauszug: „Karl Linke, ebenfalls ehemaliger Sozialdemokrat und Rektor einer weltlichen Schule, hatte eine Wohnung in der Konstanzer Straße 3, einem Haus, das Rieck verwaltete. Seit den Bombenangriffen auf Berlin war auch er in die Provinz übergesiedelt. Nur selten kam er, um nach dem Rechten zu sehen. [...]

Wir begannen, uns an die Wohnung zu gewöhnen. Sie war in jeder Hinsicht angenehmer als der Ziegenstall [sc. in Potsdam]. [...]

Obgleich die Wohnung von Linkes ein angenehmes Quartier war, wußten wir doch, daß wir nicht lange bleiben durften. Es mußte nach einer Weile auffallen, daß wir dort hausten.“

Karl Linke, der von der Nutzung seiner Wohnung nichts wusste, kehrte eines Tages zurück. Ella und Inge Deutschkron setzten ihre Flucht erneut fort.

Die beiden Frauen lebten zu diesem Zeitpunkt schon seit fast zwei Jahren unter falschem Namen in Berlin und zeitweise in Potsdam, immer wieder neu versteckt und vor allem immer in der Angst, entdeckt, verhaftet und deportiert zu werden - und so sollte es noch Monate weitergehen.

Die vielen Versteckwechsel waren der Tatsache geschuldet, dass Ella und Inge Deutschkron wiederholt z. B. bei Fragen aus der Nachbarschaft als Verwandtschaftsbesuch ausgegeben, verraten oder von zu vielen Menschen gesehen wurden. Das Leben muss zu jeder Zeit atemlos gewesen sein.


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